Ich komm – weiss nit, woher. 
Ich geh – weiss nit, wohin. 
Mich wundert, dass ich fröhlich bin.
         (Martinus von Biberach zugesprochen)
 
Einiges bleibt Vermutung, sicher aber ist, dass viele meiner Vorfahren Bauern im Emmental gewesen sind, auf Mutters und auf Vaters Seite: Lehensleute, Gutsbesitzer, Knechte. Als Pächter bewirtschafteten eine Katharina und ein Johannes das Kalberweidli ob Stettlen; der dazu gehörige Bitz Land lag auf steilem und teilweise nassem Grund. Das Paar bekam zwischen 1868 und 1888 siebzehn Kinder, von denen sieben als Säuglinge und Kleinkinder starben, Zwillingsgeburten sind keine verzeichnet. Die nächstgeborenen Kinder erhielten meist denselben Namen wie die zuvor verstorbenen; dreimal kam darum ein Gottfried zur Welt, doch jedem war jeweils nur ein kurzes Leben beschieden. Mein Urgrossvater musste diese Familie als Verdingkind verlassen, konnte Schreiner werden und heiratete die ebenso pfiffige wie tüchtige Anna. Ihr einer Sohn, mein Grossvater Hermann, wurde Flachmaler und traf beim Tanz auf seine spätere Frau, Cécile. Auch ihr Vater war ein Bauer gewesen – allerdings in der französischen Schweiz –, und Céciles Mutter und deren Mutter hatten sich als Strohflechterinnen durchgeschlagen; sie waren Zugezogene aus Frankreich gewesen. Nach der Schule arbeitete Cécile als Dienstmädchen in der Familie des Tonhalle-Leiters Volkmar Andreae in Zürich, wo es ihr nicht sonderlich gefiel, und danach in der generösen Arztfamilie Ferrière in Genf. Von Walter, meinem vielbegabten Grossvater mütterlicherseits, ist vorläufig zu berichten, dass er aus Langnau im Emmental stammte, in Thun aufwuchs, als Gärtner und Chauffeur bei einem Fabrikanten angestellt war und die herzensgute Hebamme Gertrud heiratete. Die eine Hälfte von Gertruds Vorfahren kam wiederum aus dem Emmental, die andere Hälfte jedoch aus Herbertingen in Süddeutschland. Und auch in dieser Ahnenreihe gab es im 19. Jahrhundert ein Ehepaar mit siebzehn Kindern. Hier starben den Schneidersleuten Margaretha und Anton elf kleine Menschlein zu schnell wieder weg, doch immerhin durfte die dritte Maria Anna ein langes Leben haben. Auch von den auffällig vielen unehelichen Kindern ist zu berichten, von jenen, die durch eine baldige Heirat legitimiert wurden, und vor allem von jenen, die in und um Herbertingen und in und ums Emmental ohne Väter aufwuchsen. Von ihnen erzählt der in entwürfe 69 vom März 2012 veröffentlichte Kurztext Stammbaum mit Blüten.